Dialoge nach Godard

 4.1.

 N: Es muß schön sein, zu leben, ohne zu sprechen.

P: Irgendjemand sagte, daß die Sprache das Haus sei, das wir bewohnen.

N: Aber wenn man in seinem Haus sitzt, sich wohl fühlt, ist es einem doch egal, wie es von außen aussieht, oder?

P: Wenn man liebt.

N: Ja, wenn man liebt zum Beispiel, wenn eine Bewegung alles sagt.

P: Man braucht Vertrauen. Wer sagt mir denn, daß meine Geliebte meine Bewegungen und Blicke richtig interpretiert. Vielleicht hat sie nur gelernt zu reagieren, mechanisch sozusagen, weil ihr das Haus von außen gefällt, und es ist ihr vollkommen egal, ob ich es bin, auf den sie reagiert, sie würde genau dasselbe in einer ähnlichen Situation auch einem anderen zukommen lassen. Liebe ist Ausschließlichkeit, keine Wiederholung.

N: Aber sucht man nicht gerade weil man liebt, immer wieder die gleichen Orte auf, betrachtet die gleichen Bilder, hört immer wieder ein und die selbe Platte.

P: Ja, man versucht sich eines Gefühls zu versichern, welches vergangen ist. Aber ganz bekommt man es nicht. Man dreht sich in einer Endlosschleife.

5

N: Wenn man etwas nur oft genug wiederholt, wird es irgendwann Realität.

P: Vor allem glaubt es der, der es oft genug wiederholt hat.

N: Einmal ist keinmal, sagt man, und doppelt hält besser.

P: Ich liebe Sie, wenn sie wissen, was ich meine.

N: Bitte? Ich verstehe Sie nicht recht.

P: Ich liebe Sie.

N: Wer sagt das?

P: Ich liebe sie. Es ist ein Zitat. Eine Mundbewegung, Luft zwischen meinen Lippen.

N: Ein Zitat? Sie sprechen, als ob sie die Wahrheit zitierten.

P: Von Ihm. Glauben Sie es?

N: Ich habe das schon oft gehört. Wiederholen Sie es.

P: Ich liebe Sie. Glauben Sie es?

N: Manchmal. Wenn sie sich in mich verlieben, umso schlimmer für sie, ..umso schlimmer für die Wirklichkeit.

P: Ich muß es nur so lange wiederholen, bis das Gesprochene zum Bild wird. Zum Doppelbild, das wie der Igel immer schon da ist, wenn der Hase ankommt. Das sich in der Zeit verliert wie der Film. Denn der Film hat keine Vergangenheit und hat also keine Zukunft.

N: Wie unvernünftig wir Zuschauer sind, daß wir uns immer leichter von unseren eigenen Geschichten bewegen lassen, wenn sie uns in anderen Gestalten daherkommen, und zweimal unvernünftig,

7

P. Wenn er uns hier sähe, er könnte auf dumme Gedanken kommen.

N: Ich glaube nicht. Es ist eine zufällige Begegnung zweier Menschen in einem Gerichtsaal. In einem mehr oder weniger öffentlichen Raum. . Er hat genügend davon entworfen, um zu wissen, daß sich aus unserer Begegnung keine Gewohnheit ableiten läßt. (Du hast genügend davon entworfen, um zu wissen, daß sich aus unserer Begegnung keine Gewohnheit ableiten läßt.)

P: Er macht einen Film, den er wieder und wieder sehen kann.

N: Keine Sorge, er ist nicht manisch. (Pause)

Mir hat mal jemand gesagt: „Die Wahrheit ist in allem, sogar ein wenig im Irrtum.“

P: Ja das stimmt, das ist es glaube ich, was man im siebzehnten Jahrhundert in Frankreich nicht sofort erkannt hat, als man glaubte … man könne den Irrtum vermeiden, nicht nur die Lüge, nein den Irrtum, man könne so ohne weiteres in der Wahrheit leben. In der Methode.

N: Und was denken Sie über die Liebe? Müßte nicht die Liebe das einzig Wahre sein?

P: Aber dahin zu kommen, sich völlig seiner Person gemäß einzurichten, einfach mit dem, was man liebt, dazu gehört Reife. Danach muß man suchen. Das gehört zur Wahrheit des Lebens. Darum ist die Liebe…eine Lösung, aber unter der Bedingung, daß sie wahr ist.

 https://postkultur.wordpress.com/penthesilea-projekt/

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