Klärender Gedanke

Es könnte den Anschein haben, als würde man hier fortfahren, wo alle tot sind, als würde man hier fortfahren. Das ist jedem klar. Vergiß aber nicht, daß hier nicht drei Menschen handeln. Nicht drei Menschen fahren im Wagen, nicht sie streiten, nicht sie sitzen auf dem Dach.

Alexandr Vvendenskij

Alexandr Vvendenskij

Kann sein, daß es drei Löwen sind, drei Tapire. drei Störche, drei Buchstaben, drei Zahlen oder Daten. Was ist uns ihr Tod, was ist ihr Tod ihnen.

Und dennoch sie fahren im Boot, sich jede Minute, jede Sekunde an den Rudern abwechselnd, mit solcher Geschwindigkeit, mit solcher Weise, solcher Breite, daß ihre wundersamen Hände nicht zu sehen waren.

Aleksandr Vvedenskij: Eine gewisse Anzahl Gespräche und zwei Gedichte. dt. von Peter Urban. Friedenauer Presse Berlin.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Freiheit, Kunst, Literatur veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Klärender Gedanke

  1. muetzenfalterin schreibt:

    Großartig, oder? ich liebe diese Oberiuten. Und natürlich Peter Urban, der das alles so großartig übersetzt hat. Ein großes Geschenk an jeden, der lesen kann.

  2. Jan Kuhlbrodt schreibt:

    es gab in meiner jugend (achtziger) mindestens zwei gespenster. körperlose namen, textlose dichter, die mir in texten, die ich liebte, immer wieder begegneten. das waren krutschonych und vvendenski. langsam bekommen die skelette text. großartigen text.

  3. muetzenfalterin schreibt:

    Am Ende des sehr lesenswerten Romans von Olga Martynova „Sogar Papageien überleben uns“, zitiert der Dichter Fjodor (eine meiner Lieblingsfiguren in ihrem Buch), Vvendenski: „In einem Roman wird das Leben beschrieben, da läuft angeblich die Zeit, aber sie hat nichts Gemeinsames mit der wirklichen Zeit, da gibt es keine Ablösung des Tages durch die Nacht, da entsinnt man sich spielerisch beinah des ganzen Lebens, während du dich in der Wirklichkeit kaum an den gestrigen Tag erinnern kannst. Und überhaupt: Jede Beschreibung ist falsch. Der Satz: ‚Ein Mensch sitzt, über seinem Kopf ist ein Schiff‘ ist vielleicht richiger als ‚Ein Mensch sitzt und liest ein Buch.‘ Der einzige seinem Prinzip nach richtige Roman ist von mir. Aber er ist schlecht geschrieben.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s