Der Karton oder Nach dem Roman 1

Kartonagentheorie, ganz ohne Schuldbewusstsein, als sei Barthes Satz vom Tod des Autors das letzte Aufbäumen einer alten vorbürgerlichen Literatur gewesen, in deren Zentrum der Text steht. Aber der Autor feierte seine Wiedergeburt, eine Auferstehung, als Star, als popkultureller Messias ohne Halbwertszeit. Davon hätte Händel nicht zu träumen gewagt. Der Autor ist Mensch geworden. Der Text, jeder Text, Gründungstext einer Religion, wenn gleich dem Popstar nichts ferner liegt, als ein Messias zu sein. Denn er will handfest geliebt werden, dirty sozusagen. Der Autor natürlich auch, deshalb sucht er Kontakt zu den Lesern. Liest auf Lesungen aus seinem Text vor, als wäre er der Text selbst. Er liest vor und gibt vor, sein Text könne sprechen, sein Text sei etwas, das in ihm wohnte und wuchs, bis er, der Autor, am Arbeitsplatz kreißte. Und das unterscheidet ihn von den Musik und Kino-Stars. Sein Schweiß ist getrockneter Schweiß, im geheimen vergossen, und das ärgert ihn. Er will ran, ran an die Masse und öffentlich schwitzen, wie die Kollegen, die in Talkshows sitzen und zu allem befragt werde, was gerade die Debatte so ausmacht.

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2 Antworten zu Der Karton oder Nach dem Roman 1

  1. muetzenfalterin schreibt:

    Der Autor gibt vor, sein Text zu sein, dabei hat kein wirklich wichtiger poetischer Text einen Autor, nie nur einen, er verändert sich unter dem Vortrag, unter den lesenden Augen, unter den hörenden Ohren, und trotzdem wird er gleichgesetzt. Verrücktes, unlösbares Paradox.

  2. amruthgen schreibt:

    Wenn man George Berkeleys ‚esse percipii‘ oder ‚percipii esse‘ jenseits von Trennungen in Subjekt und Objekt interpretiert, könnte herauskommen, dass Autor und Text etwas untrennbar Zusammengehöriges sind.

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