Der Karton

Kartonagentheorie, ganz ohne Schuldbewusstsein, als sei Barthes Satz vom Tod des Autors das letzte Aufbäumen einer alten vorbürgerlichen Literatur gewesen, in deren Zentrum der Text steht. Aber der Autor feierte seine Wiedergeburt, eine Auferstehung, als Star, als popkultureller Messias ohne Halbwertszeit. Davon hätte Händel nicht zu träumen gewagt. Der Autor ist Mensch geworden. Der Text, jeder Text, Gründungstext einer Religion, wenn gleich dem Popstar nichts ferner liegt, als ein Messias zu sein. Denn er will handfest geliebt werden, dirty sozusagen. Der Autor natürlich auch, deshalb sucht er Kontakt zu den Lesern. Liest auf Lesungen aus seinem Text vor, als wäre er der Text selbst. Er liest vor und gibt vor, sein Text könne sprechen, sein Text sei etwas, das in ihm wohnte und wuchs, bis er, der Autor, am Arbeitsplatz kreißte. Und das unterscheidet ihn von den Musik und Kino-Stars. Sein Schweiß ist getrockneter Schweiß, im Geheimen vergossen, und das ärgert ihn. Er will ran, ran an die Masse und öffentlich schwitzen, wie die Kollegen, die in Talkshows sitzen und zu allem befragt werde, was gerade die öffentliche Debatte so ausmacht.

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