Bruchstück Technik

Wenn Wissen nur auf die Bearbeitung der Gegenstände geht, findet sich in ihm auch nur eine Vorstellung des Gebrauchs und die Negativität des Gegenstands in Bezug darauf oder, wie Marx formuliert:

„Am Ende eines Arbeitsprozesses kommt ein Resultat heraus, das bei Beginn desselben schon in der Vorstellung des Arbeiters vorhanden war.“1

Es geht um die Angleichung von Naturgegenständen an den gesetzten Zweck. Dieser Zweck jedoch ergibt sich aus der Struktur der Produktion selbst. Struktur meint hier sowohl die Ordnung des Eigentums mit ihren Konsequenzen, als auch die technisch technologische Form. Beide Seiten sind nicht voneinander zu trennen. Wenn Eigentum ein Verhältnis der Produzenten hinsichtlich der gegenständlichen Bedingungen der Produktion markiert, so prägt sich dieses Verhältnis den gegenständlichen Bedingungen der Produktion auf. Eine bestimmte Eigentumsform produziert die Gestalt der Produktionsmittel, die ihre Voraussetzung bilden. Solange es um die Realisierung der Zwecke der unmittelbar Produzierenden geht, was eine Identität von Produzenten und Eigentümern voraussetzt, verwirklicht sich das Wissen in einem den Bedürfnissen des Produzenten angepaßten Naturprodukt. Technik wäre dann Mittel zu Befriedigung der Bedürfnisse der Individuen und würde sich entsprechend dieser Bedürfnisse gestalten, zielte auf den Gebrauchswert, der durch die Natureigenschaften des Produktes und die Bedürfnisse des Produzenten bestimmt ist. Durch die Identität von Eigentümer und unmittelbarem Produzenten würde letzterer sich in der technischen Gestalt seiner Produktionsmittel, die seinem Zwecke angemessen ist, selbst wiederfinden.2

„Nicht daß er (der Produzent, J.K.) nur eine Formveränderung des Natürlichen bewirkt, er verwirklicht im Natürlichen zugleich seinen Zweck, den er weiß, der die Art und Weise seines Tuns als Gesetz bestimmt und dem er seinen Willen unterordnen muß. Und diese Unterordnung ist kein vereinzelter Akt. Außer der Anstrengung der Organe, die arbeiten, ist der zweckmäßige Wille, der sich als Aufmerksamkeit äußert, für die ganze Dauer der Arbeit erheischt, und umso mehr, je weniger sie durch den eigenen Inhalt und die Art und Weise ihrer Ausführung den Arbeiter mit sich fortreißt, je weniger er sie daher als Spiel seiner eigenen körperlichen und geistigen Kräfte genießt.“3

Erscheint der Zweck des Produzenten ihm nicht unmittelbar in seiner Tätigkeit, ist diese vielmehr Mittel zum Zweck, der außerhalb der produktiven Auseinandersetzung liegt, wird die Produktion dem unmittelbaren Produzenten4 gleichgültig, denn er realisiert sich nicht in ihr. Aufgrund dieser Gleichgültigkeit wird aber seine Aufmerksamkeit bis zum Letzten gefordert. Der unmittelbare Produzent verschwindet so in seiner Produktion. Die Natureigenschaften der Produkte äußern sich in der Sprödigkeit und Widerständigkeit des Materials gegen die Bearbeitung. Diese Sprödigkeit bekommt der Arbeiter um so mehr zu spüren, je mehr er sich in der Produktion verliert. Selbst sein Körper entwickelt diese Sprödigkeit. Seine Körperlichkeit wird ihm zur Last, da sein Körper, der den gegenständlichen Bedingungen der Produktion angehört und also nicht ihm, variables Kapital ist. Aus dem Austauschprozeß der isolierten Produzenten geht der Wert als gesellschaftliche Kategorie hervor, die eben jenen Austausch regelt. Der Wert ist der Ausdruck gesellschaftlich notwendiger Durchschnittsarbeit, welche sich im Produkt vergegenständlicht. Hinter ihm verschwindet der Gegenstand in seiner besonderen Bestimmung, aber auch die besondere Technik, die zu seiner Produktion notwendig ist.5Aus der Zweckbestimmung der Produktion ergibt sich also auch eine Beliebigkeit der anzuwendenden Technik. Nicht länger wird über deren Anwendung aus der Sicht des menschlichen Bedürfnisses verfügt. Für den Produzenten erscheint Technik als heterogenes Naturverhältnis und das Produzierte als unmittelbar gegeben.

„Das Geheimnisvolle der Warenform besteht also einfach darin, daß sie den Menschen die gesellschaftlichen Charaktere der Arbeitsprodukte selbst, al

1Karl Marx: Das Kapital, Band 1, in: Marx Engels Werke, Berlin 1951, Bd.23, S.193

2Das Aussichheraussetzen in der Produktion könnte der Form nach Entfremdung sein. Diese würde aber durch das Bewußtsein des Zweckes unmittelbar aufgehoben.

3a.a.O. S. 193

4Unmittelbarer Produzent meint hier den tätigen Arbeiter und bezieht sich darauf, daß auf dem Warenmarkt der Unternehmer oder das Unternehmen als Produzent erscheint.

5 „Mit dem nützlichen Charakter der Arbeitsprodukte verschwindet der nützliche Charakter der in ihnen dargestellten Arbeiten, es verschwinden also die verschiedenen konkreten Formen dieser Arbeiten, sie unterscheiden sich nicht länger, sondern sind allzusamt reduziert auf gleiche menschliche Arbeit, abstrakt menschliche Arbeit.“ Karl Marx: Das Kapital, Band 1, S.52

Gut, der Autor outet sich hier als Marxist alter  Schule, aber das ist ihm in seiner Jugendlichkeit kaum vorzuwerfen. Man müsste diese ökonomische Theorie soziologisch untersuchen, denn auch hier zeigen sich Phänomene, die recht eigentlich nicht vom Tisch zu wischen sind. Das Problem des Marxismus war nicht seine Theorie, sondern der Alleinvertretungsanspruch, der in seinem Namen erhoben wurde. Das rückte ihn n die Nähe einer Religion. Also ab damit auf die Brache. Zur Regeneration.

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5 Antworten zu Bruchstück Technik

  1. amruthgen schreibt:

    Regeneration: Wollte man nur „reinen“, d.h. vollkommenen Denkansätzen folgen, hätte man bald niemanden mehr, bei dem man sich lesend die eine oder andere Anregung holen könnte, geschweige denn mit dem man einen Gedankenaustausch führen könnte.
    Gäbe es tatsächlich jemand, der vollkommen und vollendet wäre, dann würde ich mich fragen: Und nu? Was bleibt mir jetzt noch zu tun?
    Der nachdenkliche Lesch stellte vor kurzem die Frage: Angenommen wir finden die Wahrheit – was machen wir morgen?

  2. amruthgen schreibt:

    Die Idee mit der Wahrheit, bzw. die Idee von der Gewissheit hat viel Schaden angerichtet.

    • jan schreibt:

      und richtet weiter schaden an. das verhältnis zur wahrheit ist ähnlich dem zur diktatur. und vor allem diktaturen behaupten, dass es nur die eine gäbe, wie eben auch nur die eine staatsform. der weg aus der ddr war auch mein weg aus einem wahrheitsgehäuse heraus.

      • amruthgen schreibt:

        Wenn man in einem ‚Wahrheitsgehäuse‘ lebt, dann haben alle andere Menschen unrecht, die nicht im gleichen leben. Das hat mich bewogen in mein ‚Wahrheitsgehäuse‘ ein Loch zu knabbern und mich außerhalb umzusehen. Es gefällt mir besser ohne. Nun rottet der Rest vor sich hin und ich gehe manchmal hin, um das eine oder andere Stück einzureißen.

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