zweiter Akt

II.

Im Verlust der Geschichte präsentiert sich das Gegebene als Schicksal. Kein Wunder ist es also, wenn sich bei aller Rationalisierung am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts der Irrationalist Heidegger (um mit Lukács zu sprechen) als einflußreicher Philosoph herauskristallisiert. In seiner Theorie (welcher? hier fehlt so einiges, aber der junge mann von damals konnte es nicht wissen, denn er kannte nur wenig von heidegger, auch wenn ihn das, was er las fasziniert hat, aber aus politischen gründen nicht faszinieren durfte) spiegelt sich nichtreflektierte Rationalität, zeichnen sich ihre Abgründe ab.

Im Bewußtsein der neuesten Geschichte ist Lukács´ Bedenken nach der Niederlage des Nationalsozialismus zu teilen. Er verweist auf die Nähe Heideggers zum Fachismus und darauf, daß sein Werk, wenn auch nicht unmittelbar faschistisch, so doch  durch seinen Beitrag an der Schaffung eines geistigen Klimas für diesen vorbereitend gewesen ist.1 Die fehlende Revision seiner eigenn theoretischen Positionen durch Heidegger müßte einen positiven Bezug auf diesen Theoretiker zumindest zum Problem erheben. Eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit seiner Philosophie führte, neben Lukács, auch Adorno. Die massiven Versuche, ihn in dessen Nähe zu rücken, lassen sich darauf zurückführen, daß Adorno die herrschende Rationalität einer Kritik unterzog, die jenen, die sich in der Rationalität auf festen Boden wähnen, unverständlich bleiben muß. (wie ihnen auch die heideggersche kritik nicht eingeht, der dem nationalsozialismus so nah war wie lukacs dem stalinismus, pauschalurteile wie diese sind abzulehnen. aber wenn man meinungsführerschaft anstrebt, muss man sie eohl durchgehen lassen.)

1cf. Georg Lukács: Der Aschermittwoch des parasitären Subjektivismus, in: ders.: Die Zerstörung der Vernunft, Berlin 1955, S. 389 ff.

und Georg Lukács: Heidegger redivivus, in: ders.: Existentialismus oder Marxismus?, Berlin 1951, S. 161 ff.

So problematisch Lukács´ Erörterung der Geschichte des Irrationalismus und vor allem seine Nietzscheinterpretation auch sein mag, läßt sich angesichts der deutschen Geschichte seine Arbeit nicht einfach übergehen, zumal Heideggers Nähe zum Nationalsozialismus zeitweise keineswegs nur theoretisch war.

(hier müsste eigentlich eine auseinandersetzung mit lukacs folgen, folgt aber nicht, und ich frage mich, ob eine solche jetzt noch lohnt. mit dem späten lukasc, die lektüre der theorie des romans lohnt immer. den impuls des autors aber angesichts der neofaschistischen übergriffe in den frühen neunziger jahren kann ich noch verstehen.)

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Eine Antwort zu zweiter Akt

  1. amruthgen schreibt:

    Ich denke, dass sowohl Heideggers Ontologie als auch jeglicher Rationalismus in der einen oder anderen Weise noch in der Metaphysik wurzelt und damit christlich-theologischen Dogmen folgt.

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