Auf gehts

Vorwort

I.

Die Beschäftigung mit einem Autoren wie Adorno muß einem Außenstehenden (auch heute noch, oder wieder) unzeitgemäß erscheinen und paßt nicht recht ins Bild der Philosophie der deutschen Gegenwart (was auch immer das ist). Ein Denken aber bezieht seinen bedeutsamen Gehalt nicht aus dem mainstream. Die Auseinandersetzung mit Adorno gründet in einem Unbehagen angesichts eben jenes mainstream.

ich bin mir heute nicht mehr ganz im klaren, was ich mit dem mainstream meinte, ich benutzte das als Kampfbegriff, meine Gegner waren alle anderen, was natürlich unlauter war, weil ich sie nicht alle kannte, kennen konnte. Pars pro toto. Das ist in dieser Hinsicht keine Herangehensweise, die ich heute noch vertreten wollte, zumal mir das Ganze zerfallen ist und ich mich nur noch von Einzelnem umgeben sehe. Sartre lesen sagt mir eine innere Stimme, der ich allerdings nicht recht traue. Es käme auf einen Versuch an.

Philosophie am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts scheint sich mit den Orten ihrer Zuordnung abgefunden zu haben und sich in ihnen einzurichten. Sie zielt auf nichts mehr, was über das Bestehende hinausweist. So korrespondiert sie der Siegesfeier der Marktwirtschaft und singt ihre bedachten Liedchen. Wenn der freie Geist in der DDR noch Gegenstand der Unterdrückung war, d.h. heißt ihm ein subversives Potential zugeordnet wurde, und sich in der Bundesrepublik redlich um Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse bemühte scheint er sich, angesichts der jetzt bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse, in unverstellte Affirmation ergeben zu haben. Das Überleben der Marktwirtschaft neben dem Zusammenbruch des ‚realen Sozialismus‘ erscheint als Beweis für deren Existenzberechtigung. Daß der ‚reale Sozialismus‘ an seinen inneren Widersprüchen gescheitert ist, bedeutet jedoch nicht, daß die des Kapitalismus nicht fortbestehen. Wahrscheinlich brauchen Philosophen die unmittelbare Bedrohung, um am Zustand der Welt und seiner Wohlgeordnetheit zu zweifeln. An diesem Punkt erliegen sie dem herrschenden Zeitgeist.

Der Text begibt sich auf die ebene der Propaganda, die er zu bekämpfen meint. Hier ist nur Befindlichkeit zu finden. Schauen wir, wie es weitergeht:

Mit dem Tod der letzten Überlebenden des Nationalsozialismus, (wird muss es heißen) scheint auch diese Erfahrung aus dem Gesichtskreis der Theorie zu verschwinden und nur noch als obligatorisches „Nie wieder“ in Politikerreden aufzutauchen, immer auch mit der Überzeugung, daß sich Gleiches nicht wiederholen kann, weil es doch keiner will.
Sowohl Menschen, die an radikaler Kapitalismuskritik festhalten, als auch Neofaschisten gelten als Ewiggestrige. Antifaschismus wird somit mit Faschismus auf eine Stufe gestellt und Eingedenken der Opfer zur Marotte erklärt. Die Gesellschaft ritualisiert das Gedenken und feiert sich in ihm selbst, was einem Vergessen gleichkommt.

(Siehe oben.Blinde Polemik. Die Position aus der ich das schrieb muss zum Verzweifeln gewesen sein.)

Geschichte speichert sich in den Artefakten. An ihnen vermag man noch etwas von jener geschichtlichen Bewegung zu erahnen, deren Ergebnis die Gegenwart ist.
Ganz auf dem Boden dieser Gegenwart entledigt Philosophie sich ihrer Geschichte, indem sie sie postmodern negiert oder positivistisch als Datensammlung archiviert. Einmal ihrer Geschichte verlustig, sinnt sie nach Perfektionierung des Bestehenden, nach funktionalen Verlaufsformen. Die These von der Offenheit der Geschichte konvergiert so der von ihrem Ende.
Philosophie ordnet sich fröhlich beredsam in die Reihe der anderen Wissenschaften ein und paßt sich diesen an. Als Komplementärdisziplin bleibt sie unauffällig und bedeutungslos. Ihre Kompetenzen hat sie an die Naturwissenschaft abgetreten und gebärdet sich als ethisches Korrektiv, wenn sie sich nicht zur Wissenschafts- oder Demokratietheorie verkürzt, nach der kaum ein Forscher sich richtet und die in der Politik, mit dem Verweis auf ‚Sachzwang‘, außer Kraft gesetzt wird.

(Soweit, so gut. Wollen wir schauen, was der Autor daraus macht.)

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2 Antworten zu Auf gehts

  1. Jayne-Ann Igel schreibt:

    Nein nein, es gibt sie noch, Philosophie wie Denker, die über das Bestehende hinausweisen und nicht die Effizienz der Freien Marktwirtschaft als letztmöglichen und besten aller Häfen betrachten, aber das wäre einmal genauer zu beleuchten, jetzt nur mal zwei Namen: Mario Candeias und Alain Badiou … 1990 hat man uns (der mainstream/ die politische Klasse) schon einmal das Ende der Geschichte bescheinigen wollen, gar das Ende aller Utopien, und in diesen Sirenengesang einzustimmen wurde honoriert als Anpassungsleistung. Heuer stiftet der einmal in einem bestimmten Zusammenhang geäußerte Begriff „Kommunismus“ Verwirrung und Aufruhr in gutbürgerlichen Kreisen, die wirklich das Bonmot vom Ende der geschichte verinnerlicht haben …

    • Jan Kuhlbrodt schreibt:

      Oh sicher, und ich hätte es auch wissen können, habe es auch gewusst. Doch der junge Mann, der ich war, wollte sich wahrscheinlich einen Platz an der Spitze der Bewegung freihusten.
      Ein anderer Antrieb war sicher auch ein Buch von Joachim Fest gegen Bloch, in dem er alle Versuche dem Bestehenden eine Utopie entgegenzustellen, in die Nähe des Faschismus rückt.
      Die Festsche Angst vor Veränderung allerdings scheint im Hanseatischen Bürgertum, dem auch Fest angehörte, fest verankert. Siehe den Ausgang der Volksabstimmung zur Hamburger Schulpolitik.

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