Auszug

Manchmal habe ich mir freilich gewünscht, ich könnte die Distanz aufgeben, könnte mich den Dingen nähern wie die Anderen sich ihnen genähert haben. Als wären sie mir selbstverständlich, würde ich sie kennen. Es waren Momente der Einsamkeit. Und ich habe es nicht getan, konnte es nicht. Es wäre einem Verrat gleichgekommen. Ich betrachtete die Dinge und die Anderen also weiter aus der mir eigenen Entfernung. Definieren und kategorisieren, nicht eingreifen!, dachte ich, um mich zu zügeln, und um mir selber treu zu bleiben, das Projekt nicht zu verraten;

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3 Antworten zu Auszug

  1. amruthgen schreibt:

    Ich gehe davon aus, dass Menschen Distanz zu den Selbstverständlichkeiten der anderen entwickeln, wenn sie mehr sensorieren als andere. ’sensorieren‘ bezeichnet das, was meine Milliarden von Sensoren (Nervenszellen, Sinneszellen, Rezeptoren, Effektoren) tun, wenn sie gereizt werden. Die Anzahl allein macht meine Aussage zu einer Hypothese und darum ist auch mein erster Satz nichts weiter als eine Behauptung, eine Annahme, die mir hilft mich zu orientieren und mir für das oder dies eine Erklärung gibt. Ich denke, dass kein Mensch mehr tun kann, als sich selbst orientieren und anderen davon erzählen, was bei ihm dazu geführt hat, dass etwas besser oder anders klappt.

    • Jan Kuhlbrodt schreibt:

      dieser satz stammt aus einem längeren prosaprojekt und scheint mir zuweilen dessen zentrum zu sein. als ich in frankfurt am main studierte, hatte ich zuweilen das gefühl einer existenziellen fremdheit. ich nahm zwar auf, was andere sagten und taten, aber es blieb mir auf eine weise unverständlich. nicht rational. das heißt ich konnte die worte und handlungen in ein sinnvolles systhem von worten und handlungen einsortieren. damit aber endete die aufnahme.

  2. amruthgen schreibt:

    Mich hat dieser Text sehr berührt. Er hat bei mir Erinnerungen an Situationen geweckt, die ich ähnlich beschreiben würde. Ihre Texte ermöglichen mir viele Assoziationen: Das macht sie für mich reich(haltig). Deshalb antworte ich wohl gern darauf.

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