weiter Kant

 

Aus der Kantschen Trennung ergeben sich zumindest zwei Denkschwierigkeiten. In der Konstruktion des Begriffes aus dem Begriff, also in der reinen Vernunfttätigkeit, muss Vernunft sich selbst Gegenstand werden. Und sie wird sich Gegenstand im Begriff. Somit bewegt sie sich aber auf der Ebene der Anschauung und wird selbst Gegenstand der Philosophischen Erkenntnis im Kantschen Sinne. Aufgrund der Kantschen Beantwortung der Frage nach der Möglichkeit von Erkenntnis a priori wird aber die Frage selbst untergraben, weil die Antwort Voraussetzung zur Beantwortung ist, bzw. verhindert die Kantsche Philosophie die Selbstreflexion, da die Vernunft selbst nicht Gegenstand synthetischer Urteile a priori werden kann. Konstruiert werden nach Kant nur Begriffe, denen eine mögliche Anschauung korrespondiert, Begriffe also, die einen empirischen Inhalt zulassen, zumindest so sie für Philosophische Erkenntnis relevant sein sollen.

„Alle unsere Erkenntnis bezieht sich doch zuletzt auf mögliche Anschauungen: denn durch diese allein wird ein Gegenstand gegeben. Nun enthält ein Begriff a priori (ein nicht empirischer Begriff) entweder schon reine Anschauung in sich, und alsdann kann er konstruiert werden; oder nichts als die Synthesis möglicher Anschauungen, die a priori nicht gegeben sind, und alsdenn kann man wohl durch ihn synthetisch und a priori urteilen, aber nur diskursiv , nach Begriffen, aber niemals intuitiv durch die Konstruktion des Begrffes“.

Konstruktion von Begriffen bleibt so immer im Bereich der Anschauung, kann , nach Kant, über diese nicht hinausgelangen. Mathemathische Erkenntnis, da festgeschriebener Bereich der Konstruktion, bleibt im Schematischen. Unkonstruierbar wäre mit Kant ein Begriff der Vernunft jenseits ihrer Gesetze, da diese unmittelbar vorgefunden werde und welche sich im reinen Gebrauch realisiert. Vernunft lässt sich so nicht begründen, sondern nur behaupten.

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3 Antworten zu weiter Kant

  1. amruthgen schreibt:

    Kant: „Denn ist Vernunft das Vermögen, welches die Prinzipien der Erkenntnis a priori an die Hand gibt. Daher ist reine Vernunft diejenige, welche die Prinzipien, etwas schlechthin a priori zu erkennen, enthält. Ein Organon der reinen Vernunft würde ein Inbegriff derjenigen Prinzipien sein, nach denen alle reine Erkenntnisse a priori können erworben und wirklich zu Stande gebracht werden. Die ausführliche Anwendung eines solchen Organon würde ein System der reinen Vernunft verschaffen.“ Immanuel Kant: Werke in zwölf Bänden. Band 3, Frankfurt am Main 1977, S. 62-67.
    Permalink: http://www.zeno.org/Philosophie/M/Kant,+Immanuel/Kritik+der+reinen+Vernunft/Einleitung/VII.+Idee+und+Einteilung+einer+besonderen+Wissenschaft,+unter+dem+Namen+einer+Kritik+der+reinen+Vernunft

    • Jan Kuhlbrodt schreibt:

      Also ist Erkennen hier ein Wiedererkennen, ein Abgleich, und nichts würde erkannt werden, dass formal nicht schon Vernunftsinhalt ist. Was mich irritiert (schon während des Studiums irritiert hat), ist die Statik der Kantschen Konzeption. Allerdings verliert sich diese Statik in der Konzeption der praktischen Vernunft ein wenig.

  2. amruthgen schreibt:

    Ich meine ‚erkennen‘ kann man nur, was man bereits kennt. Ich vermute, dass die Statik von Kants Behauptungen ungefähr der Statik von Normen entsprechen dürfte, innerhalb derer Kant enkulturiert worden ist. Es kommt mir so vor, als habe er niemals eine kritische Distanz dazu erlebt, so als sei er nie wirklich Kind gewesen. Sein Zeitgenosse Ulrich aus Jena hat Kant als „Neutrum“ charakterisiert. Normen, die nie distanziert, sondern stets als zu einem selber gehörig empfunden werden, verweisen stets aus sich auf sich selbst: „Das ist so!“ Diesem dürfte auch die Syntax Kantischer Aussagen entsprechen. Ein Kommentator meinte: „Die Definitionen der Einleitung sind als Programmformel zu lesen … es handelt sich … um ‚eine logische Reflexion über die Beziehung zweier Bestimmungen, von denen eine die andere impliziert, auf einen angenommenen Begriff.‘ (Tillman Pinder, Kants Begriff der transzendentalen Erkenntnis, in: Kant-Studien, 77, 1986, S. 10.)“ zit. in: Peter Baumanns: Kants Philosophie der Erkenntnis: Durchgehender Kommentar zu den Hauptkapiteln der „Kritik der reinen Vernunft“. Würzburg (Könighausen&Neumann) 1997, S.91. http://books.google.de/books?id=LDuas7M2igEC&pg=PA91&dq=erkenntnis+a+priori+vernunft&hl=de&ei=5Q82Tcb_Ac6Rswa4xrijCg&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=7&ved=0CEQQ6AEwBg#v=onepage&q=erkenntnis a priori vernunft&f=false

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