Freiheit und Erkennen 1

Indem das Subjekt sich selbst erkennt, erkennt es nicht unmittelbar die Gattung, da diese in sich widersprüchlich strukturiert ist, obgleich jene Selbsterkenntnis Ausgangspunkt zur erkennenden Konstruktion der Einheit der Gattung ist. Das nichtreflektierte unmittelbare Erkennen einer Zugehörigkeit stellt sich zumeist bei näherer Reflexion oder im Gang der Geschichte als fatal und bedrohlich heraus. Im Verzicht auf die Konstruktrion schieben sich zeitweise scheinbar biologische Bestimmungen in den Vordergrund, die sich aber auf ökonomische und Machtkonstellationen wenn auch nicht zurückführen lassen so doch in einem affirmativen Verhältnis zu ihnen stehen. Verwiesen sei hier auf Adornos Rede „Individuum und Organisation“

Erkennen ist immer ein produktiver, ein tätiger Prozess und sein Produkt, die Erkenntnis, hat somit Bestandteile sowohl des tätigen Subjektes als auch des Objektes. Dabei ist das Subjekt einer Veränderung unterworfen, die sich nicht zuletzt in der Summe seines Wissens positiv ausdrückt. Objektivität ist nur über die Reflexion eben jenes Prozesses zu erlangen. In solcher Überlegung scheint Schellings System des transzendentalen Idealismus durch. Gewähr der Objektivität ist bei ihm die zunächst als notwendig vorliegende gewissermaßen natürliche Reihe. Erkenntnis wäre die Nachkonstruktion dieser Reihe. „Das philosophische Talent besteht nun eben nicht nur allein darin, die Reihe der Ursprünglichen Handlung frei wiederholen zu können, sondern hauptsächlich darin, sich in dieser freien Wiederholung wieder der ursprünglichen Notwendigkeit jener Handlungen bewußt zu werden.“ (S,d t.I.61)Zu teilen wäre zunächst Schellings Grundannahme der Erkenntnistätigkeit als Konstruktion. In dieser Grundannahme verbergen sich zwei basale Bestimmungen des erkennenden Denkens. Es ist sowohl mimetisch als auch produktiv; das erkennende Denken ist soweit hervorbringend also Produktion. Schellings emphatischer Subjektivismus läßt ihn aber ein wenig über das Ziel hinausschießen. Da er das Ich als absolut freies denkt, setzt er den Akt der Erkenntnis als freien. In der Erkenntnis wird also nach Schelling die Notwendigkeit in Freiheit aufgehoben. Er reproduziert damit ein ideologisches Problem Kants und des dt. Idealismus überhaupt, der Freiheit als bestehend behaupten muss. Er behandelt somit Freiheit als ideale und nicht als reale. In der hegelschen Lösung wird diese Freiheit letztlich zu Gunsten der Notwendigkeit kassiert! Dass Freiheit Einsicht in die Notwendigkeit sei wurde dann zum Standartargument meiner Ostdeutschen Lehrer wenn sich in der Schule Widerstand regte oder nach dem Sinn z.B. der vormilitärischen militärischen Ausbildung gefragt wurde.

In der Schellingschen Wendung steckt aber auch ein Moment an dem festzuhalten wäre. Die Fähigkeit des Denkens zur Konstruktion verweist auf die (reale) Möglichkeit des Menschen zur freien Selbstsetzung. Freiheit ist im Erkennen als utopisches Moment enthalten.

 

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