Gegenstand

Um, im weitesten Sinne, zu erkennen, muss der Erkennende den Gegenstand der Erkenntnis konstruieren, ihn sozusagen aus sich selbst als Gegenstand hervorbringen. Er kann dies, da er selbst Teil eines gesellschaftlichen Prozesses ist und als solches ein Produziertes bzw. Vermitteltes, somit an Momenten der Erfahrung der Gattung partizipiert. An konkret welchen Momenten und in welcher Form ergibt sich aus der Stellung des Individuums im gesellschaftlichen Prozess. Ausgangspunkt der Überlegung ist also ein gesellschaftliches Subjekt, welches als Einzelnes in der Gattung formiert ist. Einzig Subjektivität ermöglicht Selbstreflexion, welche Bedingung sowohl der Selbsterkenntnis des Individuums, der Gattung, als auch objektiver Erkenntnis Überhaupt ist.

Diese Formulierung mag nicht nur den Laien zunächst verwirren. Wie sollte etwas, das unbekannt ist, konstruiert werden. Um das Wie wird sich der erste Teil der Arbeit drehen. Zunächst sei nur vermerkt, dass schon der Fakt, in einem Ding einen Gegenstand der Erkenntnis zu erblicken, schon einen Akt der Denktätigkeit bezeichnet, nicht nur wenn der Gegenstand im Rahmen einer Wissenschaft sich aus der Geschichte der Wissenschaft selbst erblickt, sondern auch wenn das Subjekt sich zwischen Ignoranz und Unmittelbarer Vernichtung bewegt.

Es geht um die theoretische Erkenntnis des Gegenstandes in der Unterscheidung zu dessen Bearbeitung, was nach dieser Seite eine materiale Erkenntnis des Gegenstandes wäre. Beide Formen der Erkenntnis bringen den Gegenstand hervor, einerseits als Arbeitsprodukt und andererseits als Begriff. (Experimentelle Wissenschaften verfahren in dieser Unterscheidung eher nach dem Weg der Bearbeitung). Eine Spezifik der theoretischen Erkenntnis liegt in der Doppelung des Gegenstandes einerseits als Vorgehendes, bei sich Gelassenes und andererseits als Produkt theoretischer Konstruktion. In der Kunst werden beide Seiten vereint.

Der Autor ist sich im klaren darüber, das diese Bestimmung vorausetzungsreich ist, sieht es aber nicht als seine Aufgabe an, im Rahmen dieser Arbeit die Voraussetzungen „bis ins Letzte“ aufzurollen. Es sei aber angemerkt, das er sich vor allem auf die Konzeption deds Subjektes seitens der älteren Kritischen Theorie stützt, vor allem auf die von Horkheimer und Adorno in der „Dialektik der Aufklärung“ entworfene.

Es soll hier nicht geleugnet werden, dass es Dinge außerhalb menschlicher Erkenntnis gibt. Allein bilden sie nicht von vornherein und unmittelbar Gegenstände der Erkenntnis. Entgegen nominalistischen Vorstellungen wird hier die Auffassung vertreten, dass schon die Gegenstandwerdung eines Dinges ein produktiver Akt ist. Andererseits hingegen, ist der produktive Akt kein Akt reiner Willkür, sondern vom Stand des Geistes einerseits und von der Konstitution andererseits bestimmt.

Die Gegenstände der Naturwissenschaft scheinen für den naiven geist unmittelbar Gegeben. Dabei vergißt er das Bedingung zur Gegenstandwerdung, bereits vorhandene Technik und Hypothetik ist. Diffiziler verhält es sich in den Gesellschafts -. Kulturwissenschaften, deren Gegenstände zumeist Verhältnis- und nicht Dinghaft sind und sich hinter den Phänomenen eher Verstecken als offenbaren.

 

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Eine Antwort zu Gegenstand

  1. amruthgen schreibt:

    „Einzig Subjektivität ermöglicht Selbstreflexion, welche Bedingung sowohl der Selbsterkenntnis des Individuums, der Gattung, als auch objektiver Erkenntnis Überhaupt ist.“

    Physistische Anmerkungen dazu: D’accord: Nur Individuen können reflektieren. Sie sensorieren m.E. dabei Simulationen von vergangenen eigenen Erlebnissen, Erfahrungen und Vorstellungen.
    ‚Gattung‘ würde ich mit ‚interindividuell‘ transponieren. ‚Erkenntnis‘ ist physistisch ohne Grundlage, daher die jeweilige Spekulation jedes Individuums. ‚objektiv‘ könnte ‚interindividuell Sensorierbares‘ bzw. Offensichtbares, das, was nicht bestritten werden dürfte.
    Es könnte möglicherweise der positive Ansatz der Kritischen Theorie optimaler nutzbar gemacht werden können, wenn man sie konsequent ‚individuell‘ und ‚physistisch‘ transponierte und so griffiger interpretierte.

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