Konstruktion und Freiheit

Im Begriff Konstruktion findet sich das tätige, formierende Moment des Denkens, sowohl bezüglich der reinen Vernunfttätigkeit (?), als auch das auf materielle Realisierung gerichtet. Schon diese Unterscheidung scheint mir bei näherem Hinsehen hinfällig. Dass man ein Gedankengebäude nicht betreten könne, ist dabei ein schwacher Einwand. Was hier als Postulat daherkommt, lässt sich nur auf ideologiekritische Weise begründen, wobei die Diskursanalyse dafür durchaus unterstützendes Werkzeug geliefert hat. Ach der Foucaultsche Werkzeugkasten! Prof A. Schmidt aus Frankfurt, betonte immer, dass man seine Schriften nicht als Steinbruch benutzen dürfe. Aber was macht man mit einem Steinbruch sonst. Dennoch scheint mir, dass Zeitweise aus den Augen verlorene machtvolle Verhältnisse wieder zum Begriff drängen, dass sich bei aller Unüberschaubarkeit, machtvolle wirtschaftliche Strukturen als haltbarer erweisen, als man es ihnen zugetraut hätte. (Auch das eine merkwürdige Formulierung „Zu Begriffe drängen. Deutet das auf eine Rückkehr zum System?) Es sei hier an die Eingangszeilen der „Negativen Diealektik“ erinnert. „… dass der Moment ihrer Erfüllung versäumt ward.“ Zwar ein schwacher, aber immerhin ein Trost. Was die Realisierung betrifft, es ist doch der Traum eines jeden Theoretikers, dass sich seine Theorie an der Realität bewährt, ein Traum übrigens, der den irrationalen Kern des Positivismus wenn nicht bildet, so doch nährt. Das kann sich in drei, nicht alternativ zu verstehenden Wegen vollziehen: einerseits durch einen unmittelbaren Führungsanspruch innerhalb einer sozialen Bewegung, andererseits negativ, durch die Ignoranz und Leugnung von Einflüssen der Wissenschaft auf den herrschenden gesellschaftlichen Diskurs und drittens mittelbar über gewisse bewusstseinsverändernde und zuweilen erweiternde theoretischer Tendenzen. Der dritte hier angesprochene ist ein Weg, der durch die Hermetik der Wissenschaft kaum wahrnehmbar ist, wirkt demgegenüber aber am nachhaltigsten, bildet er doch den Grundstock politischer Hegemonie. Dass die herrschenden Gedanken immer die Gedanken der Herrschenden seien, wie von Marx behauptet, erleidet an dieser Stelle seine dialektische Bestätigung.

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