Hyperion

ein kurzes Zitat aus Hölderlins Roman, um etwas Oel ins Feuer zu bekommen:
Ich wollte nun aus Deutschland wieder fort. Ich suchte unter diesem Volke nichts mehr, ich war genug gekränkt, von unerbittlichen Belaidigungen, wollte nicht, daß meine Seele vollends unter solchen Menschen sich verblute.
Aber der himmlische Frühling hielt mich auf; er war die einzige Freude, die mir übrig war, er war ja meine lezte Liebe, wie konnt‘ ich noch an andre Dinge denken und das Land verlassen, wo auch er war?

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einen Schritt zurück und etwas Bachtin lesen

„Die Äußerung erlangt so, ihrer engsten Natur gemäß eine Beziehung zur fremden Äußerung, zur fremden Rede, zur tatsächslichen oder möglichen Rede des Gesprächspartners und Zuhörers oder Lesers. Und diese Beziehung zur fremden Äußerung bestimmt die betreffende Äußerung, findet in ihr eine notwendige Wiederspiegelung (die Wiederspiegelung der fremden Rede).“

Das heißt, aus dem einfachen Gebrauch eines Wortes, ist noch nicht auf die politische Haltung des Sprechenden zu schließen. Genau so wichtig sind Sprechhaltung und Stil. Es kann also nicht einfach darum gehen, bestimmte Worte aus dem Gebrauch zu lösen, um einen Schverhalt (politisch) korrekt zu formulieren.

„Längst nicht alle Erscheinungen der Sprache (das Wort, die phraseologische Einheit, sogar die morphologischen und syntaktischen Formen,) sind neutral. Sie haben den Gebrauch von Stilen, sind mit ihnen durch bestimmte weltanschauliche, literarische soziale Wertungen verbunden. Diese Wörter gilt es mit Vorbehalt zu verwenden, sie sind in intonatorische Anführungszeichen zu setzen.“

 

Bachtins Sprechgattungen bei Matthes & Seitz

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Charles Bernstein über Ezra Pound

Schreibheft 80  2013

Ein Gedicht, das die Geschichte mit einbegreift, bedeutet auch, dass wir Geschichte lesen müssen; Geschichte wie sie in Pounds Stil, in der symbolischen/semiotischen Ökonomie des Gedichts, in den materiellen Produktionsmitteln geschrieben steht, ebenso sehr wie in seinen „entkörperten“ „Ideen“. Dichtung ist ebenso wenig wie Geschichte oder Philosophie deshalb wert, gelesen zu werden, weil sie tröstlich oder unbeschwert oder verständlich oder erhebend ist. Auch bedeutet auf eine Politik der poetischen Form hin zu lesen nicht, dass solche Formen selbst eine befreiende Wirkung entfalten; viel häufiger müssen wir mit Ray DiPalma feststellen, dass alle Formen koerzitiv sind. … Allerdings ist Pounds Dichtung zu keiner Zeit bloße Widerspiegelung seiner Politik; tatsächlich würde ich ganz im Gegenteil argumentieren, dass Pounds Werk seinem Faschismus widerspricht.

Texte von mir auf Fixpoetry

und Signaturen

 

 

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Sammlung

Walter, Mayer, Maiz, Meyer, Hefter, Immekus

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Wie Heidegger lesen?

Es gibt Namen von Autoren die einem am virtuellen Hacken kleben wie jene Substanz am realen Schuh, an der man sich nicht traut zu riechen, nachdem man merkte, dass man unterwegs irgendwo reingetreten ist. Allein sie ist da, die Spur, und so einfach wird man sie nicht los. Ausserdem hinterläßt das Bemühen, sie zu entfernen seinerseits die Spur einer Spur. Und der Gedanke an den Geruch und auch die Konsistenz ist ja nicht uninteressant. Der Gedasnke hat ja keinen Geruch und keinen Geschmack.

Gerade begegnete er mir wieder, der Name Martin Heidegger in einem Notat des französischen Autoren Perros. Und Perros scheint ihn ganz anders zu lesen, als ich ihn jemals las, nämlich nicht als einen, der die Welt zu erschließen versucht, eher las er ihn als Dichter. Perros schreibt:

Also kehre ich zu meinem Elend zurück. Zu meinem Mallarmé, der nicht der Mallarmé jener Herren ist. Zu meinem Heidegger, der mich ergötzt, wenn er von Van Gogh oder Hölderlin beflügelt ist. Weder dieser Mallarmé noch dieser Heidegger sind verwertbar. Aber der Umgang mit ihnen ist mir zuträglich, jenseits aller Vorwärts-Kultur. (Georges Perros: Klebebilder S. 313, dt. von Anne Weber. Matthes & Seitz. 2020)

Bei Mallarmé bin ich dabei. An meinem Heidegger werde ich noch schnitzen müssen, ohne die Garantie, dass er mir gelingt. Und ein Gelingen kann nicht bedeuten, den politischen Hintergrund auszublenden.

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These zu Georg Lukács

Im Verlust der Geschichte präsentiert sich das Gegebene als Schicksal. Kein Wunder ist es also, wenn sich Heidegger als einflußreichster Philosoph nach Ende des zwanzigsten Jahrhunderts herauskristallisiert.In seiner Theorie spiegelt sich nichtreflektierte Rationalität, zeichnen sich ihre Abgründe ab.

Im Bewußtsein der neuesten Geschichte sind Lukács´ Bedenken nach der Niederlage des Nationalsozialismus zu teilen. Lukács verweist auf die Nähe Heideggers zum Nationalsozialismus und darauf, daß sein Werk, wenn auch nicht unmittelbar faschistisch, so doch für diesen vorbereitend durch seinen Beitrag an der Schaffung eines geistigen Klimas gewesen ist.1 Die fehlende Revision Heideggers selbst, seiner eigenen theoretischen Positionen, müsste einen positiven Bezug auf diesen Theoretiker zumindest zum Problem erheben.

So problematisch Lukács´ Erörterung der Geschichte des Irrationalismus und vor allem seine Nietzscheinterpretation auch sein mag, läßt sich angesichts der deutschen Geschichte seine Arbeit nicht einfach übergehen, zumal Heideggers Nähe zum Nationalsozialismus zeitweise keineswegs nur theoretisch war.

 

1cf. Georg Lukács: Der Aschermittwoch des parasitären Subjektivismus, in: ders.: Die Zerstörung der Vernunft, Berlin 1955, S. 389 ff. und Georg Lukács: Heidegger redivivus, in: ders.: Existentialismus oder Marxismus?, Berlin 1951, S. 161 ff.

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Fragen des Genres – Fragen der Form

Fragen des Genres – Fragen der Form

Leider findet in diesem Jahr keine Buchmesse statt; jetzt gibt es auf absehbare Zeit auch keine Lesungen mehr und damit auch keine Gespräche danach. Wir, die im medialen Gedränge weniger präsenten Autorinnen und Autoren, können also nicht reagieren, unser Tun nicht rechtfertigen, Fragen nicht beantworten. Zwei Statements will ich aber los werden.

Meinen Romanen wird zuweilen vorgeworfen, dass sie im Grunde keine Romane seien. Wahrscheinlich sind sie das nicht, denn ihnen fehlt das Gefügte, das Abgerundete. Aber Fügsamkeit und Abrundung sind Momente des Zwangs, auf die ich gerne verzichte. Außerdem bergen sie ein Moment der Anstrengung, dem ich mich zu entziehen trachte, weil es eine Anstrengung zur Überlagerung der Brüche ist. Vielleicht aber kommt Kunst von Beugung. Dann bin ich eben kein Romancier, sondern ein Scharlatan.

Meine Gedichtbände verlieren sich zuweilen in Prosaausflügen, was ich bislang unter Zuhilfenahme von Fußnoten abfedern konnte. Reflexive und erzählerische Passagen fanden im Text unterm Text Platz. Im neuen Band habe ich nicht so trickreich gearbeitet. Aller Text bleibt oben, an der Oberfläche, denn die Oberfläche ist der angestammte Spielplatz der Kunst.

Alles ist Essay. Ohnehin.

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Die Umbenennung

Ich bin in einer Straße in Karl-Marx-Stadt aufgewachsen, die Fritz-Schmenkel-Straße hieß. Die liegt in einem Neubaugebgiet, das 1972 eingeweiht wurde, hat also keinen alten Namen. Sie wurde 1990 dennoch in Zeisigwaldstraße umbenannt, deren Verlängerung sie darstellt. Die Stadt, die die Straße umschloss, wurde wieder zu Chemnitz.

Fritz Schmenkel war ein Wehrmachtssoldat der 1941 desertierte und sich in den Wäldern von Smolensk den Partisanen anschloss. Er geriet in deutsche Gefangenschaft und wurde von Deutschen erschossen. Die Straße hätte weiter so heißen können und müssen, auch oder gerade weil Fritz Schmenkel in den Augen einiger Arschlöcher ein Verräter war.

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Zu den Tieren

Das liegt mir dann doch am Herzen: In meinem Text, der sich gerade in der Druckerei befindet, ergibt sich die DDR und deren Ende als Material. Unter anderem die DDR. Das ist für mich naheliegend, weil sie und ihre Trümmer, also eine historische Trümmerlandschaft eine vorherrschende in meinem Gedächtnis sind. Es geht im Text aber nicht um den Wiederaufbau eine Frauenkirche, es geht mir nicht um die Rekonstruktion eines historischen Zustandes: á la GENAU SO IST ES GEWESEN. Vielmehr geht es um den Umgang mit Gedächtnis und Gedachtem. Und um das Um- und Neuordnen der Steine, um ein kaleidoskopisches Umordnen von Gedächtnis- und Gedankensplittern. Es ist ein Wandeln in Trümmern. Vielleicht wird das anhand der Zeichnungen von Klaus Walter deutlich.

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Rückkehr

Jetzt kann mans schon hier bestellen:tiere

 

 

 

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