Netzfund

Gerade beim Stöbern gefunden:

Ein Programmheft von Castorfs Ibsen-Inszenierung in Karl-Marx-Stadt wird antiquarisch gehandelt.

Mir wird immer wieder klar, welches Glück das Theater Karl-Marx-Stadt war, und was es für mich und wahrscheinlich auch andere bedeutete, dank Castorf z.B. aber auch anderen Machern. Es war einfach irre dort in den Achtzigern des letzten Jahrhunderts.
Advertisements
Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Kommentar

Die Behauptung, dass der Kommentar dem Text vorausgeht, schießt wahrscheinlich etwas übers Ziel. Aber seit ich in den Achtzigern des vergangenen Jahrhunderts Kommentare des Jenaer Altphilologen Fritz Jürß zu griechischen Autoren gelesen habe, bin ich ein Fan von solchen Texten, auch wenn ich sie nicht in wissenschaftlicher Hinsicht auswerte. Außerdem bin ich eine Art Wissenssammler und lasse mich gern belehren.

Ein guter Kommentar zumal ist Primärliteratur, muss hinter dem Kommentierten in literarischer Hinsicht nicht zurückstehen. Ein neuerlicher Beweis dafür sind die Kommentare von Tobias Roth, Asmus Trautsch und Melanie Möller in der gerade erschienenen Ausgabe von Ovids Liebeskunst. Sie machen Spass und benetzen alles Trockene. Und, das ist wohl das wichtigste, sie helfen mir über die früh einbrechende Dunkelheit hinweg.

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Zensur?

Die Rechte beklagt Zensur. Das ist quatsch. Aber ich möchte aus einem Text zitieren, den ich für die Werbeschrift Bühne Sachsen verfasst habe, der aber, aus welchen Gründen auch immer da nicht veröffentlicht wurde:

In der legendären Inszenierung der beiden Teile des Goetheschen Faust in den Achtzigerjahren am Schauspielhaus Karl-Marx-Stadt spielte Matthias Günther den Mephisto. Mir ist von dieser Inszenierung noch einiges in Erinnerung, ich war Oberschüler damals und saß mit offenem Mund im Zuschauerraum, erschauerte angesichts des entfesselten Treibens in der Walpurgisnacht, feierte die Erfindung des Papiergelds samt anschließender Inflation und belächelte den greisen Idioten Faust, der erblindet angesichts seiner Grablegung von einer wuselnden Gemeinschaft phantasiert, aber am eindringlichsten erinnere ich mich daran, wie Günthers Mephisto, wenn er am Bühnenrand wie auf einer Rennstrecke hin und her eilte, mit seinem Klumpfuß immer wieder beinahe über den Souffleurkasten stolperte. Beinahe, denn jedes Mal riss er im letzten Moment den Pferdehuf hoch und überwand das Hindernis doch.

So wollte ich sein, wie dieser Teufel, der stets das Böse will und stets das Gute schafft, und sei es nur, einen Souffleurkasten unbeschadet zu übersteigen, oder zu überspringen. So wie es mir und meinen Landsleuten letztlich auch gelang, uns staatlicher Einflüsterung zu entziehen.

Vielleicht ist das der älteste Trick der Theatergeschichte. Und vielleicht ist es der beste, weil er sich nicht abnutzt und noch heute funktioniert, die Schnittstelle bildet zwischen Theater und Zirkus. Aufklärung und Slapstick.

Ja, Aufklärung und Slapstick. Hier sind wir mitten in der sächsischen Gegenwart, da sich die Bevölkerung, oder zumindest Teile davon theatralische Elemente zu ihrer Alltagskultur oder Protestkultur gemacht haben, aber leider nicht im aufklärerischem Sinn. Einige meiner Landsleute sind wahrhaft zu Teufeln geworden, rassistischen ohne mephistophelischem Humor, und wenn es einst darum ging, die staatlichen Einflüsterer zu überwinden, haben sie sich nicht zu aufgeklärten Bürgern emanzipiert, sondern die Feindbilder aufs einfachste ersetzt.

Der Feind ist ihnen nunmehr der Fremde, der bunte, der Harlekin. Sie treffen sich auch nicht mehr im, sondern vor dem Theater. In Dresden zum Beispiel sind einige von ihnen selbst in eine Art Pegida-Souffleurkasten gestiegen, erproben sich als rassistische Einflüsterer.

Aber auch hier erweist sich das Theater als aufklärender Hort, gerade wenn es zuweilen ohne Worte auskommt und mit der Inszenierung 2017 von Handkes stummen Stück Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten in Dresden mit Bürgerinnen und Bürgern auf dem Platz vor dem Schauspielhaus der rassistischen Dummheit den Ort streitig macht. Dann wird der öffentliche Raum wieder zur Bühne der Aufklärung, in dem Hanswurst und bunte Harlekine ihren Platz haben. Und auch der dialektische Mephistopheles, der über Souffleurkästen stolpert.

Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Texte zur Lage

verspannt, dass ich die schuhe
kaum zu binden weiß. über die hälfte
der nachbarn sind mir fremd in ihrer klage
ich komme mir vor wie ein geisterfahrer
auf nächtlicher autobahn. auf dem rücksitz
sammelt sich arbeit.

Veröffentlicht unter Allgemein | 2 Kommentare

auch gerade im Druck

Diese Galerie enthält 2 Fotos.

Galerie | Kommentar hinterlassen

Übersetzen als Text

Walter Benjamin schreibt in seinem Essay Die Aufgabe des Übersetzers:

„Wie nämlich die Übersetzung eine eigene Form ist, so läßt sich auch die Aufgabe des Übersetzers als eine eigene fassen und genau von der des Dichters unterscheiden. Sie besteht darin, diejenige Intention auf die Sprache, in die übersetzt wird, zu finden, von der aus in ihr das Echo des Originals erweckt wird. Hierin liegt ein vom Dichtwerk durchaus unterscheidender Zug der Übersetzung, weil dessen Intention niemals auf die Sprache als solche, ihre Totalität, geht, sondern allein unmittelbar auf bestimmte sprachliche Gehalts­zusammenhänge. Die Übersetzung aber sieht sich nicht wie die Dichtung gleichsam im innern Bergwald der Sprache selbst, sondern außerhalb desselben, ihm gegenüber und ohne ihn zu betreten ruft sie das Original hinein, an demjenigen einzigen Orte hinein, wo jeweils das Echo in der eigenen den Widerhall eines Werkes der fremden Sprache zu geben vermag. “

Nun ist die Übersetzung nicht nur Ergebnis, sondern auch Prozess. Ein Prozess der neben der gelungenen oder gescheiterten Übersetzung Ergebnisse zeitigen kann jenseits der Nachdichtung. Es entsteht ein Material und Kommunikationsraum, der als Text spannender nicht sein kann:

Zwei Beispiel, die jüngst erschienen sind:

Nils Röller: Bittermeer

http://klever-verlag.com/buecher/bittermeer/

Christian Steinbacher: Gräser im Wind

http://www.czernin-verlag.com/buch/graser-im-wind

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Etwas Messe

https://www.youtube.com/watch?v=S3dYE464PeE

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen